Steuerungsstrategien

Während also in den Phasen der nahezu ausschließlichen Überschusseinspeisung bzw. des nahezu ausschließlichen Netzbezuges die Steuerungsaufgaben eindeutig nach nur einer Strategie erfolgen können, liegt die eigentliche Herausforderung in den Übergangsphasen Oktober/November und Februar/März, zuzüglich einiger weiterer wetterbedingter Ausnahmen in beiden Richtungen sporadisch bzw. stochastisch über das Jahr verteilt. Immerhin etwa ein Drittel des Jahres muss die Steuerung somit die einander widerstrebenden Strategien „Reserve“ und „Netzdienlichkeit“ gleichermaßen berücksichtigen. Daraus ergibt sich interessanterweise, dass wegen der prinzipiell unmöglichen zeitlich konkreten Vorhersagbarkeit dieser Tage dieser Betriebsmodus – also das Ausbalancieren beider Strategien – als Normalfall der Steuerung auszulegen ist! Dies gilt umso mehr wegen des letzten Punktes der Zielstellungen, der 100%-igen Autonomie der Steuerung, der manuelle Eingriffe zur Anpassung überflüssig machen soll, auch wenn die Bilanz von Verbrauch und Erzeugung von einem auf den anderen Tag komplett umschlägt.

Die – wenn auch zahlenmäßig deutlich überwiegenden – Tage mit eindeutiger Zuordnung zu nur einer der beiden Strategien ergeben sich dann aus Sicht der Steuerung als die leichter handhabbaren Sonderfälle, die im auslegungstechnischen Normalfall aufgehen. Diese Sichtweise auf die Auslegung der Steuerung hat sich erst im Laufe der Entwicklung etabliert, nachdem der ursprüngliche Plan, drei Strategien zu implementieren („Reserve“, „Netzdienlichkeit“ und „Übergangszeit“) nicht zielführend und frei von Fehlsteuerungen funktionierend umgesetzt werden konnte. Bereits in der Simulationsphase zeigte sich: Wiederkehrendes Problem bei stark wechselnden Relationen zwischen Erzeugung und Verbrauch waren Situationen, in denen nachts der Speicher (nach-)geladen, am Tag dann aber wegen bereits zu vollen Speichers solarer Überschuss eingespeist wurde, noch dazu zu nicht netzdienlichen Zeiten. Auch der umgekehrte Fall trat auf: am frühen Abend wurde planmäßig eingespeist, aber dann musste in der Nacht oder im Laufe des Folgetages außerhalb des Ladezeitfensters aus dem Netz nachgeladen werden. Daher wurde die Idee einer dritten Strategie verworfen.

<< zurück

weiter >>