…in der Nacht

Über Nacht, vor allem in den Abend- und Morgenstunden, ist hingegen der Strombedarf besonders in den Haushalten hoch, gleichzeitig ist Solarstrom nicht oder kaum verfügbar. Konventionelle Kraftwerke (Kohle, Öl, Gas) oder Reservekraftwerke (meist Gas, z.T. Pumpspeicherkraftwerke) müssen nun vermehrt Strom produzieren. Das Merit-Order-Prinzip, das den Einsatz der Kraftwerke am Strommarkt bestimmt, bewirkt, dass Kraftwerke in der Reihenfolge steigender Erzeugerkosten zugeschaltet werden, also zunächst die billigsten, bei höherem Bedarf die nächst teureren, usw. Dieses Prinzip beinhaltet jedoch auch, dass die Preise aller Erzeuger stets gleich sind. Wenn also ein Erzeuger mit höherem Preis hinzukommt, steigen die Preise aller anderen (eigentlich billigeren) Erzeuger mit. Das führt letztlich dazu, dass der Strom aus allen Quellen dann besonders teuer ist, wenn der Bedarf den Einsatz teurer Quellen erfordert, auch wenn diese selbst nur einen kleinen Teil der Nachfrage selbst decken. Entsprechend ergibt sich ein stark schwankender Strompreis im Tagesgang, siehe Abbildung. Die Schwankung ist umso größer, je höher das Überangebot tagsüber ist, besonders dann, wenn die konventionellen Kraftwerke als Grundlastkraftwerke zum Ausgleich des Überangebotes vom Netz genommen werden mussten. Müssen diese Kraftwerke zur Deckung des Bedarfs am Abend wieder hochgefahren werden, bilden sich diese Zusatzkosten und entgangenen Gewinne des Tages unmittelbar im abendlichen Strompreis ab.

Datenquelle: API-Abruf bei smard.de, Visualisierung: eigene Aufbereitung in Node Red

Erläuterung:

  • blau: Börsenstrompreis (day-ahead), Einspeisung unkritisch
  • grün: Hochpreiszeiten, ideal für die zeitversetzte Einspeisung des Tagesertrages
  • gelb: Preis unterhalb der üblichen Einspeisevergütung und des üblichen Erzeugerpreises, nicht ideal, Kosten trägt die Allgemeinheit
  • rot: negative Preise – Strom wird an Abnehmer im Ausland geliefert, die dafür bezahlt werden, ihn zu nehmen.

Österreich betreibt mit unserem verklappten Überschussstrom z.B. seine Pumpspeicherwerke, speichert die bei uns überschüssige Energie ein und wird von uns dafür bezahlt (negativer Strompreis)! Nachts bei hohem Bedarf kaufen wir den Strom dann aufgrund des Merit-Order-Prinzips besonders teuer von dort zurück. Wir zahlen also zweimal dafür, einmal um den Überschuss loszuwerden, und ein zweites Mal, um unseren eigenen Bedarf zu anderer Zeit zu decken. Was für ein Unsinn!

Die Potenziale für Stromkosten-Ersparnis und Erhöhung der Einspeise-Erlöse ergeben sich daraus, den Bezug von Strom in Zeiten niedriger Strompreise zu verlagern und die Einspeisung von Solarstrom in die Zeiten hoher Strompreise.