Die Konsequenzen
Für die Praxis bedeutet dies, dass ohne weitere Maßnahmen ab dem Punkt „100%“ (die erreichbare Spitzenleistung ist so hoch wie die Grundlast) die Rentabilität der Investition in weiteren Kapazitätszubau sinkt, während dieser gleichzeitig kaum einen nennenswerten weiteren Beitrag zur Bedarfsdeckung mehr leistet. Einzig in Phasen z.B. geringer Sonneneinstrahlung spielen höhere Erzeugungskapazitäten noch ihren Vorteil aus, da sie dann auch mit geringer Einstrahlung noch bedarfsdeckend produzieren, wo sie sonst bereits im Bereich des nicht mehr nutzbaren Überschusses wären. Dies ist sehr wichtig mit Bezug auf die Kapazitätsauslegung für die sonnenarme Jahreszeit.
Für Windstrom sind sowohl der Zusammenhang zwischen Erzeugungskapazität und nutzbarem Ertrag als auch die abzuleitenden Folgerungen grundsätzlich gleichlautend wie für Solarstrom, lediglich die zeitlichen Abläufe unterliegen einer anderen Rhythmisierung.
Zur Bedarfsdeckung in der Nacht (oder, um Windstrom wieder mit in die Perspektive zu nehmen, in Phasen mit zu wenig oder ohne Wind) trägt keine Erzeugungskapazität etwas bei. Genau darin liegt das Problem der fehlenden Grundlastfähigkeit von Solar- und Windstromanlagen, und es lässt sich mit keinem denkbaren Kapazitätsausbau lösen – aus prinzipiellen Gründen, wie gezeigt werden konnte.
Der Netzausbau, der hier oft als einzige „Lösung“ angegeben wird, ist zwar nötig zur räumlichen Verbindung von Angebot und Nachfrage und insoweit durchaus erforderlich. Zur Herstellung der zeitlichen Kongruenz jedoch, also der Schaffung einer zeitlichen Überdeckung von Angebot und Nachfrage und damit der Erzielung von Grundlastfähigkeit, trägt Netzausbau alleine nicht bei.
Die einzige Möglichkeit zur Herstellung der Grundlastfähigkeit besteht darin, die überschüssige Erzeugung zu speichern und dann wieder abzugeben, wenn keine (ausreichende) Erzeugung stattfinden kann. Dies betrifft sowohl Kurzzeitspeicher für den Tag-Nacht-Zyklus als auch Langzeitspeicher (z.B. Wasserstoff) für den jahreszeitlichen Ausgleich. Die Systematik ist skalierbar, sie gilt also im Grundsatz für kleine lokale Systeme (einzelnes Haus, Gemeinde) ebenso wie für das Versorgungsnetz im großen nationalen Maßstab.