Drei Fehlvorstellungen
Wenn eine Anlage zur Produktion von Strom errichtet wird – gleich welcher Art sie auch sein mag – dann hat sie immer eine bestimmte Maximalleistung, die sie unter idealen Bedingungen erbringen kann.
Die erste Fehlvorstellung besteht darin, dass die sogenannte installierte Leistung der Erneuerbaren (= Maximalleistung unter idealen Bedingungen!) einfach so groß werden müsse wie die Leistung aller konventionellen Kraftwerke, damit man auf diese verzichten und sie abschalten könne. Diese Zielmarke wird mit Begrifflichkeiten wie „100% Erneuerbare“ versehen und soll den Abschluss der Energiewende kennzeichnen. Zum Glück hat sich die Erkenntnis, dass diese Herangehensweise nicht zielführend ist, inzwischen weit genug durchgesetzt. Man hat verstanden und akzeptiert, dass die Spitzenleistung nur für wenige Stunden im Jahr erreicht wird und – je nachdem, ob Solar- oder Windstrom und je nach Standort – übers Jahr die erzielte Durchschnittsleistung nur etwa 20% der installierten (Maximal-)Leistung beträgt.
Die zweite Fehlvorstellung basiert auf demselben grundlegenden Unverständnis von Kausalitäten: Dann müsse man doch nur die installierte Leistung aller Anlagen entsprechend vervielfachen, und schon könne man auf alle anderen Kraftwerke verzichten. Klingt verlockend, ist aber ebenso falsch, denn die berühmte „Dunkelflaute“ (windstille Nacht, also weder Solar- noch Windstrom verfügbar) lässt sich auch damit nicht umgehen. Ein beliebiges Vielfaches von Null ist bekanntlich immernoch Null. Doch das Problem ist tiefgreifender.
Jede Solar- oder Windstrom-Anlage produziert übers Jahr eine bestimmte Menge elektrischer Energie. Diese ist abhängig von Art und Größe der Anlage und ihrem Standort und im statistischen Mittel recht genau angebbar. Die Summe aller so erzeugten Energiemengen wird dann ins Verhältnis zum Energieverbrauch gesetzt und damit der „Anteil der Erneuerbaren am Energiemix“ angegeben. Bezogen auf das Primärenergieaufkommen liegt der Anteil aktuell bei rund 20%, für den Bereich Endenergie Strom bei immerhin 55%.
Die dritte Fehlvorstellung liegt nun darin, man müsse bzw. könne diesen Anteil auf 100% bringen – genau das meint im Kern der Begriff „Klimaneutralität“ oder in gewisser Abwandlung der Begriff „CO2-Neutralität“. Für den Bereich der Primärenergieträger ist die Zielstellung ohnehin müßig, da ein Teil dieser (Kohle, Öl, Gas) einer stofflichen und keiner energetischen Verwertung unterliegt und somit nicht durch Strom ersetzbar ist. Dieser Aspekt spielt für die Betrachtung von Netzdienlichkeit aber auch keine Rolle.
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