„Netzdienlichkeit“ bzw. „netzdienliches Verhalten“

Die Begriffe „Netzdienlichkeit“ bzw. „netzdienliches Verhalten“ beziehen sich sowohl auf die Nachfrage, also die eigene Stromentnahme aus dem öffentlichen Netz, als auch auf das Angebot, also die Einspeisung von eigenem Solar- oder Windstrom in das öffentliche Netz. Als netzdienlich wird in diesem Zusammenhang ein solches Verhalten bezeichnet, welches einem drohenden Ungleichgewicht von Angebot und Nachfrage zeitlich und örtlich genau entgegenläuft, somit ausgleichend wirkt und das Netz dadurch entlastet und stabilisiert. Man kann hier nach passiv und aktiv netzdienlichem Verhalten unterscheiden, je nach dem, ob man ein drohendes Ungleichgewicht zumindest nicht verstärkt (passiv netzdienlich) oder ob man durch entsprechendes Verhalten dem Ungleichgewicht explizit entgegenwirkt (aktiv netzdienlich). Bezogen auf ein eigenes Haus mit z.B. Wärmepumpe, E-Auto und sonstigen Verbrauchern (Nachfrage) sowie einer Solarstrom-Anlage, die auch in das Netz einspeisen kann (Angebot), hat netzdienliches Verhalten zwei mögliche Ausprägungen.

Fall 1: Das Strom(über-)angebot im Netz ist hoch, die Nachfrage normal oder gering.
Passiv netzdienlich ist es, eigenen Solar- oder Windstrom jetzt nicht einzuspeisen, um dem Überangebot nicht noch mehr hinzuzufügen. Ideal und damit aktiv netzdienlich wäre es, durch große Verbraucher jetzt zusätzlichen Bedarf zu generieren und Strom aus dem Netz zu beziehen.

Fall 2: Das Stromangebot im Netz ist normal oder niedrig, die Nachfrage hoch.
Passiv netzdienlich ist es, jetzt keinen Strom aus dem Netz zu beziehen, um den Mangel nicht zu vergrößern. Ideal und damit aktiv netzdienlich wäre es, jetzt selbst Strom in das Netz einzuspeisen und damit zusätzliches Angebot zu generieren.

In beiden Fällen ist absehbar, dass aktive Netzdienlichkeit jeweils nur mit Zusatzaufwand realisierbar ist. Selbst passive Netzdienlichkeit funktioniert realistisch nicht von alleine, ist aber, sofern man seine Solarstrom-Anlage zur Optimierung des Eigenverbrauchs mit einem ausreichend großen Speicher-Akku betreibt, zumindest für den Fall 2 quasi inbegriffen. Für den Fall 1 gilt dies nur in Ausnahmefällen, z.B. wenn man die eigene Stromproduktion dann abschaltet, was jedoch spezifische Nachteile mit sich bringt.